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I.
Frankreich
I.1 Internationale
Züge
I.2 Europa-Schulen
I.3 Deutsch-Französische
Gymnasien
I.4 Europäische
Züge
II. Deutschland
I
. Was ist ein Bilingualer Zug?
I.
In Frankreich bestehen zahlreiche Typen bilingualer
Schulausbildung nebeneinander.
Internationale
Züge, Französisch-deutsche Züge,
Europäische Züge...so
viele Bezeichnungen, die sich auf verschiedene Arten von
Unterricht und Abschlüssen beziehen und die
gelegentlich Verwirrung stiften. (Europäisches
Abitur, Französisch-deutsches Abitur, Abibac oder
doppelte Annerkennung des Abiturs).
Hier ist eine kleine Orientierungshilfe.
I.1. Internationale
Züge
Diese waren zu Anfang für die Kinder von
international tätigen Beamten bestimmt, die in
Frankreich leben; die Internationalen Züge sollten es
ihnen ermöglichen, sich ohne Schwierigkeiten in ihr
heimatliches Schulsystem zu integrieren. Sie wurden durch
das Dekret Nr. 81 594 vom 11. Mai 1981 eingeführt.
Die internationalen Züge
werden an fünf Gymnasien in Frankreich und an einigen
Collèges angeboten. Es werden 25% bis 50%
Schüler ausländischer Herkunft aufgenommen, wobei
ihre Muttersprache die des Zuges sein mub, und sie auch
ausreichend gut die französische Sprache beherrschen
müssen; ebenso wie die französischen Schüler
eine gute Kenntnis der Fremdsprache besitzen müssen. Es
handelt sich hierbei um Schüler, die zuvor in dem
jeweiligen Land zur Schule gegangen sein müssen, oder
um Kinder gemischter Familien. Die Kenntnis der Sprache ist
unabdingbare Voraussetzung für den Zugang einer solchen
Schule: Man mub schon zweisprachig aufgewachsen sein, um in
Schulen mit internationalen Zügen aufgenommen zu
werden. Die Zulassung erfolgt durch Sprachprüfungen und
Begutachtung der Zertifikate. Der Unterricht der Sprache und
der Literatur des Landes findet nichtsdestotrotz
verstärkt statt. Ein spezieller Lehrplan in Geschichte
und Erdkunde sieht vor, das zur Hälfte in
Französisch, zur Hälfte in der Sprache des Zuges
unterrichtet wird. Spezielle Kurse werden von diplomierten
Muttersprachlern gehalten.
I.2. Die Europa-Schulen
Zunächst zielten diese
Schulen auf die Kinder europäischer Beamter, doch
nehmen sie heute Schüler aus allen EU-Ländern auf,
soweit Plätze vorhanden sind.
Der
Unterricht kann in bis zu neun Sprachen ablaufen. Die
Grundkenntnisse werden in der Muttersprache vermittelt, aber
eine erste Sprache wird ab der Grundschule gelernt, und
führt dann zu der ersten Fremdsprache, schon lange vor
der 6ème. Diese erste Fremdsprache wird dann ab der
fünften Klasse zum Unterrichten der Fächer wie
Wirtschaft und Geschichte weiterentwickelt. Eine zweite
Sprache wird dann in der sixième, eine dritte in der
4ème und in der 2nde hinzugenommen. Das
«europäische»Abitur wird in Frankreich
anerkannt, und öffnet den Zugang zu allen
Universitäten in der Europäischen Union, sowie zu
fast allen amerikanischen Universitäten.
- Das
«europäische» Abitur: Es wird an neun
europäischen Schulen angeboten, die alle Schüler
zahlreicher Nationalitäten aufweisen, doch gibt es
keine Schule in Frankreich (Belgien: Brüssel I und II,
Moll; Grobbritannien: Culham; Luxemburg; Italien:
Varèse; Deutschland: Karlsruhe und München.
I.3. Die deutsch-französischen
Gymnasien
Es gibt drei verschiedene
Einrichtungen, hervorgegangen aus einer speziellen,
bilateralen Übereinkunft, die diesem gymnasialen Typ
entsprechen: Das deutsch-französische Gymnasium in Buc
(78), die deutsch-französischen Gymnasien in
Saarbrücken und Freiburg. Die Schüler werden in
einen französischen oder einen deutschen Bereich
eingeteilt (je nachdem welche Sprache sie besser
beherrschen); das Ziel besteht darin, die Schüler
beider Bereiche in allen Fächern, ausser dem der
Muttersprache) bis zum Ende der Mittelstufe?
zusammenzuführen.
Der
Deutschunterricht wird in der Mittelstufe und Oberstufe (in
der Realschule und im Gymnasium) intensiviert. Der
Unterricht in Englisch, E.P.S., Bildende Künste und
Musik findet ab dem cours moyen deux (gleichwertig mit der
4. Klasse der Grundschule) für die Schüler beider
Bereiche gemeinsam statt; die Lehrer werden von der
Bundesregierung oder von den Ortsbehörden beauftragt.
Geschichte, Erdkunde und Biologie werden ab der 4ème
(ab der 8. Klasse) auch für beide Bereiche gemeinsam
unterrichtet. Die Schüler können zwischen dem
nationalen Abitur und dem deutsch-französischen Abitur
wählen.
- Das
«deutsch-französische» Abitur : Es ist weder
ein französisches, noch ein deutsches Abitur, sondern
ein «deutsch-französisches» Abitur,
gleichwertig mit dem «bac français»
(französischem Abitur) und dem deutschen Abitur. Es
wird in beiden Ländern anerkannt, und öffnet den
Zugang zu allen Universitäten in Frankreich und
Deutschland. Das Ziel ist der Bilingualismus unter
Berücksichtigung der Nationalität und der
Bemühung, beide Kulturen und Sprachen zu
integrieren.
I.4. Die europäischen
Züge
1.4.1.
Beschreibung
Die europäischen Züge
sind nicht zu verwechseln mit den verschiedenen Formen des
bilingualen Unterrichts, die gerade vorgestellt wurden.
Gegründet wurden sie im September 1992; seitdem sind
sie in Absprache mit dem zuständigen Ministerium fester
Bestandteil in über 400 Collèges und Gymnasien.
Das Ziel von Jack Lang war es, «allen Schülern,
die sich für die Erlernung von Fremdsprachen
interessieren, diese zu ermöglichen, was den
pädagogischen Erfolg der internationalen Züge
beschert hat, ohne sich ¨von den Schwierigkeiten, das
Projekt in die Tat umzusetzen, stören zu
lassen».
Das
Rundschreiben Nr. 92-934 vom 19. August 1992 sieht folgendes
vor:
- einen
Stundenplan, der den Unterricht von Fremdsprachen
fördert,
- den Unterricht der Fächer des Programmes, wobei eine
Disziplin im Gymnasium nicht in der Fremdsprache
(D.N.L.,d.h. eine nicht-fremdsprachliche)unterrichtet
wird,
- kulturelle Aktivitäten in der Fremdsprache, an erster
Stelle internationale Austausche.
In manchen Schulen beginnt man mit dem Unterricht des D.N.L.
in der Fremdsprache ab der 4ème, der 8. Klasse.
I.4.2.
Ausdehnung
1997 und 1998 zählte man
schon 653 europäische Züge an 26 Schulen, von
denen 320 europäische Züge den Schwerpunkt Deutsch
haben; diese Begeisterung erklärt sich zum Teil - warum
sollte man es verschweigen - durch die «Strategie»
gewisser Familien oder gewisser Betriebsleiter, die in
diesen Zügen eine Möglichkeit sehen,
«elitäre» Strukturen wiederaufzubauen, was
aber ganz im Gegensatz zu den Gedanken der Gründer
steht.
Die
europäischen Züge sind, je nach Neigung, offen
für ein grobes Publikum, welchem sie eine qualitativ
hochstehende Ausbildung anbieten möchten.
Das
Ziel ist, 20.000 Schüler in den europäischen
Zügen im Jahr 2000 aufzunehmen.
Aber der
Prozess des Zugangs ist von Einrichtung zu Einrichtung
unterschiedlich:
- in
einigen Fällen vollzieht sich dieser Prozess «mit
beschränkter Aufnahme»: Die Entscheidung erfolgt
durch eine Kommission des Départements nach
Durchsicht der erreichten Noten im Collège und nach
Einschätzung der Motivation des Kandidates ( dabei ist
den zurückgewiesenen Kandidaten das Recht vorbehalten,
den Zugang noch einmal prüfen zu lassen.
- in
anderen Fällen erfolgt die Prüfung der
Zugangsberechtigung durch ein Gespräch.
Das
gröbte Hindernis bei der Erweiterung der
europäischen Züge stellt die Suche nach Lehrern
dar, die ihr Fach in der Fremdsprache ebenso gut wie in
ihrer Muttersprache unterrichten können.
I.4.3. Die Abschlüsse
- Das Abitur mit «europäischen
Merkmalen»
Die ersten Erfahrungen hiermit wurden 1992 gemacht; 1995
haben die ersten Schüler ihr Abitur mit
«europäischen Merkmalen» abgeschlossen ( von
den Behörden am 2. November 1994 durch den Vermerk Nr.
94-260 eingetragen). Die Schüler müssen bei der
Prüfung von Französisch als erste Fremdsprache
mindestens 14 von 20 Punkten erreichen.
Bei einer
fachlichen Prüfung hingegen müssen die
Schüler die Hälfte der Höchstpunktzahl, 10
von 20, erreichen, welche folgendes beinhaltet:
-
eine mündliche Prüfung vor einer Jury, die aus
einem Lehrer der Fremdsprache und einem Lehrer der
Fachdisziplin zusammengesetzt ist; diese Prüfung
besteht aus zwei Teilen ( ein Kommentar des Schülers
zu einem ihm unbekanntem Text, der aber in Zusammenhang
mit dem Lehrplan steht; eine Unterhaltung über die
Arbeiten und Themen des Schuljahres); sie macht 80 % der
Gesamtnote aus.
Gelegentlich
befreien die Universitäten die Abiturienten mit
diesem Abschluss von bestimmten
Einschreibebedingungen.
- Der «gleichzeitige Erwerb» des
Baccalauréat und des Abiturs, auch ABIBAC
gennant:
Von 1985 an haben das französische und das
deutsche Kultusministerium anfängliche Erfahrungen
auf dem Gebiet des gleichzeitigen Erwerbs des
französischen und deutschen Abiturs mit der
Einführung eines Programmes gemacht, welches eine
einzige Prüfung vorsieht, die den Erwerb beider
Abschlüsse ermöglicht. 1994 wurde eine
bilaterale Vereinbarung ausgehandelt, welche die
Ausdehnung des Programmes an 16 Schulen in Frankreich und
Deutschland ermöglichte, nachdem bereits Erfahrungen
in Lyon und Bonn gesammelt wurden. Dieses Programm ist
ein Wegbereiter der europäischen Züge, und es
trägt auch zu dessen Vervollständigung bei.
Mit dem Eintritt in die Seconde wird der Unterricht in
Deutsch (Sprache und Literatur), Geschichte und
Geographie in deutscher Sprache unterrichtet, dabei
stützt man sich auf spezielle Lehrpläne, die
von den Verantwortlichen beider Länder entwickelt
werden. Die französischen Schüler legen die
Abiturprüfung ihrer Schule ab (L, ES oder S), die
Sprachprüfungen und die Prüfungen in Geschichte
und Geographie werden durch eine spezielle Prüfung
in der deutschen Sprache ersetzt.
Die Prüfungsklausuren werden von einer Kommission
korrigiert, die aus Franzosen und Deutschen
zusammengesetzt ist, auf diese Weise erhalten die
Schüler zusätzlich zu dem landesüblichen
Abitur noch das ihrer Partnerschule.
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II.
Bilinguale Züge in deutschen
Gymnasien
Die föderale Struktur des deutschen Schulsystems macht
es schwierig, einen schnellen Überblick über die
verschiedenen Verfahren und Zielsetzungen zu bekommen (siehe
die
Beschreibung den verschieden
Länder).
ZUSAMMENFASSUNG
:
Die deutschen bilingualen Züge existieren in
zahlreichen Gymnasien, wo die Schüler einen
intensiven Französischkurs belegen können, den
Leistungskurs Französisch, welcher zum Abitur
führt und den Zugang zu französischen
Universitäten insofern ermöglicht, dass ein
Sprachtest entfällt. Die bilingualen Züge sind
das Resultat von Versuchen, die vor mehr als zwanzig
Jahren in einigen Ländern unternommen wurden.
Die
bilingualen Züge zielen auf ein Zertifikat, welches
einen Zusatz enthält, der besagt, dass der Zugang
sowohl zu französischen wie auch zu deutschen
Universitäten offensteht. Bestimmte bilinguale
Züge bereiten den Weg zum Erwerb von
ABIBAC
oder
den gleichzeitigen Erwerb des französischen und
deutschen Abiturs, indem der Unterricht in
Französisch intensiviert wird, und andere
nicht-sprachliche Fächer in Französisch
unterrichtet werden.
WAS IST EIN BILINGUALER ZUG ?
1. Eine
integrierte Einrichtung
Im Gegensatz zu den deutsch-französischen Gymnasien in
Saarbrücken und Freiburg im Brisgau, sowie dem
«Collège français» in Berlin, sind
die französischen bilingualen Züge in das deutsche
Schulsystem integriert.
-
Sie sind in die herkömlichen Bildungseinrichtungen
integriert, hauptsächlich in den Gymnasien, die zum
Abitur führen. In Rheinland-Pfalz ist ein Zug in
eine Gesamtschule (vom Typ «kooperativ», d.h.
ein Schulkomplex mit Oberstufe wie beim Gymnasium)
aufgenommen worden. Im Saarland und in Rheinland-Pfalz
wurde die Initiative gestartet, 1, zw. 2 Züge in
einer Realschule zu eröffnen.
- Sie sind für die Schüler mit deutscher
Muttersprache gedacht, die nicht aus zweisprachigen
Familien kommen (mit einer Ausnahme, dem
Wagenburg-Gymnasium in Stuttgart).
- Sie sind den Programmen des Landes unterstellt und
führen die Schüler zum Abitur. Dieses
Abschlusszeugnis der Oberstufe (genannt
«Hochschulreife», d.h. Zugangsberechtigung zu
den Universitäten) enthält dann allerdings den
speziellen Zusatz «bilingualer Unterricht», der
bescheinigt, dass der Schüler bis zur Prüfung
Unterricht in Französisch erhalten hat, und die
Prüfung in einem Fach in der französischen
Sprache abgelegt hat.
2. Ein
einfaches pädagogisches Modell
Die pädagogische Wirksamkeit der bilingualen Züge
beruht auf folgenden Regeln:
-
Sie beginnen in der ersten Klasse der Unterstufe (d.h. im
fünften Schuljahr, gleichbedeutend mit der CM2 in
Frankreich) mit der Wahl der ersten Fremdsprache - was
für die französischen Züge
notwendigerweise die Wahl von Französisch als erster
Fremdsprache bedeutet.
- Während der ersten beiden Jahre wird die erste
Fremdsprache verstärkt unterrichtet, was auf eine
bessere Beherrschung des mündlichen Ausdrucks zielen
und auf den Unterricht eines Faches in der
französischen Sprache vorbereiten soll.
- Ab dem dritten Jahr vollzieht sich der Unterricht in
der ersten Fremdsprache gemäb des normalen
Stundenplans, und der Unterricht eines Faches in
Französisch wird eingeführt (Erdkunde,
Geschichte und Sport für die
«französischen» Klassen), dieser wird
periodisch unterbrochen durch den Unterricht in der
Muttersprache.
In manchen Fällen wird ein einziges Fach in der
Fremdsprache unterrichtet.
- Der bilinguale Unterricht setzt sich so in der
Oberstufe bis zum Abitur fort. Der Schüler
wählt nun die erste Fremdsprache als Leistungskurs
und ein Fach, das zuvor in Französisch unterrichtet
wurde, als Grundkurs.
- Die in der Fremdsprache unterrichteten Fächer
gehören gröbtenteils den Geisteswissenschaften
an (Erdkunde, Geschichte, Sozialkunde, d.h.
Staatsbürgerkunde) - das sind die Fächer der
französischen Züge. Seltener hingegen sind die
naturwissenschaftlichen Fächer (hauptsächlich
Biologie). Vereinzelt wird auch Sport oder Kunst im
Rahmen der bilingualen Züge angeboten.
- Das Modell der bilingualen Züge legt besonderes
Gewicht auf den Schüleraustausch: Ein Aufenthalt von
mindestens drei Wochen ist ab dem zweiten Jahr der
Unterstufe vorgesehen, im Rahmen einer Patenschaft mit
einer Schule des Partnerlandes, ein Austausch, der sich
mehrfach wiederholen kann bis zum Ende des Schulbesuchs.
Ein nachfolgender Schülerbriefwechsel ensteht oft
durch den Austausch.
3. Die
Bewertung von Wissen und Fähigkeiten
Die Bewertung der unterrichteten Fächer in der
Fremdsprache mub durch eine objektive Benotung geschehen,
die zwischen der Bewertung der sprachlichen Gewandtheit und
des erworbenen Wissens in der Fremdsprache
unterscheidet.
Die immer
bessere Beherrschung der Fremdsprache darf nicht auf Kosten
des Wissens erfolgen, das in dem jeweiligen in der
Fremdsprache unterrichteten Fach erworben werden mub. Bei
den Prüfungen wird sich diese Vorgehensweise dann als
effizient herausstellen.
Das
Modell der bilingualen Züge dient zwei Hauptzielen:
- dem Erwerb des Schülers einer doppelten
Sprachkompetenz (bi-lingual,
zwei-sprachig) in der Fremdsprache, wie auch in
seiner Muttersprache;
- der Aneignung und Anerkennung einer zweiten Kultur, dank
eines wachsenden Wissens und einer vernünftigen
Verteilung der Unterrichtsthemen in beiden Sprachen; wobei
die verwendeten Texte die sprachliche Authentizität
wahren sollten.
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